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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Museum Hohenasperg

Häftlingsschicksale

Ausgewählte Kurzbiografien

Die Opernsängerin

Die einzige Frau, deren Schicksal in der Ausstellung dokumentiert wird, ist die Opernsängerin Marianne Pirker. In dem eigentlich nur für Männer vorgesehenen Gefängnis wurde sie 1756 auf Befehl des Herzogs Karl Eugen zusammen mit ihrem Mann und dem Friseur der Herzogin Friederike acht Jahre lang heimlich weggesperrt. Über die Gründe gibt es nur Spekulationen: Angeblich soll der Herzog so unliebsame Zeugen seiner Liebschaften kaltgestellt haben. Die Opernsängerin wurde in der Haft wahnsinnig.

Christian Friedrich Daniel Schubart (Foto: Haus der Geschichte)

Der Dichter

Der Journalist, Dichter und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart wurde 1777 auf Befehl von Herzog Karl Eugen in eine Falle gelockt, verhaftet und auf dem Hohenasperg in einen Kerker gesperrt. In seiner "Deutschen Chronik" hatte sich Schubart offenbar zu kritisch über politische Missstände geäußert und auch privat spöttisch über den Herzog gesprochen. In der Haft verordnete ihm der Herzog ein rigoroses religiöses Erziehungsprogramm. Erst 1787 kam Schubart unter öffentlichem Druck frei.

Gottlieb Rau (Foto: Württembergische Landesbibliothek)

Der Revolutionär

Auch Gottlieb Rau, der überzeugte Demokrat und Herausgeber der volksnahen Zeitschrift "Die Sonne", machte Bekanntschaft mit dem Hohenasperg. Er hatte am 24. September 1848 vom Balkon eines Rottweiler Gasthofes vor rund 4000 Zuhörern zum bewaffneten Marsch auf das Cannstatter Volksfest aufgerufen. Der Vorstoß scheiterte kläglich - nur sieben unbewaffnete Schramberger wurden in Cannstatt von 5000 Soldaten empfangen. Dennoch wurde Rau zu 13 Jahren Festungshaft verurteilt. 1853 konnte er nach Amerika auswandern. Nach dem Scheitern der Revolution von 1848 wurde gegen mehr als 2000 "Verdächtige" ermittelt - meist wegen "Hochverrats". Hunderte von Demokraten kamen in der Folge auf den Hohenasperg in Festungshaft. Über sieben davon berichtet die Ausstellung.

Walter Häbich (Foto: Haus der Geschichte)

Der Kommunist und der Zentrumspolitiker

In den Jahren 1925 und 1932 saß der Kommunist Walter Häbich auf dem Hohenasperg in Festungshaft. Der gebürtige Botnanger hatte in Flugschriften zum Umsturz aufgerufen. Häbich wurde 1934 von den Nationalsozialisten im KZ Dachau ermordet. Ein ähnliches Schicksal, aber zunächst unter ganz anderen Vorzeichen, erlitt der Zentrumspolitiker Eugen Bolz, bis März 1933 Staatspräsident von Württemberg. Noch 1921 hatte Bolz selbst als Justizminister die "Schutzhaft" ohne richterliche Anordnung befürwortet - ein Opfer dieser Maßnahme wurde später unter anderem Walter Häbich. Ab dem 19. Juni 1933 erfuhr Bolz dann am eigenen Leibe für rund einen Monat auf dem Hohenasperg, wie effektiv die Nazis die Schutzhaft einsetzten, um sich ihrer Gegner zu entledigen. Bolz starb Ende des Krieges unter dem Fallbeil - als Mitglied des Widerstandskreises um Carl Goerdeler.

Walter Hinrik Dorn (Foto: Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg)

Der schizophrene Trickdieb

Ein Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde wurde 1941 ein anderer Hohenasperg-Häftling: Walter Hinrik Dorn, Jahrgang 1904, war wegen Trickbetrugs verurteilt worden. Auf dem Hohenasperg wurde er in der besonderen Abteilung für Geisteskranke untergebracht, denn er war schizophren. Fast wäre er von dort in die Freiheit entkommen, nachdem er Tarnkleidung angefertigt, ein Loch in die Decke gebohrt und sich in den Gefängnisgraben abgeseilt hatte. Allerdings fiel er den Wachen sofort auf, weil er sich frühmorgens - bevor noch das äußere Tor geöffnet war - allein auf dem Gelände herumtrieb.

Karl Jäger (Foto: Hessisches Hauptstaatsarchiv)

Der NS-Täter

Auch einzelne Täter des NS-Regimes lernten den Hohenasperg kennen. Karl Jäger, der als Kommandeur des SS-Einsatzkommandos 3 in Litauen die Ermordung von über 137 000 Juden organisierte, wurde Anfang Juni 1959 aus Heidelberg ins Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg verlegt. Die Mitarbeiter der Zentralen Ermittlungsstelle in Ludwigsburg fanden diese räumliche Nähe bei ihren Untersuchungen im Falle Jäger "zweckdienlich". Jäger erlebte den drohenden Prozess nicht mehr. Am 16. Juni 1959 erhängte er sich in seiner Einzelzelle.

Helmut Palmer (Foto: privat/Haus der Geschichte Baden-Württemberg)

Der Remstalrebell

Helmut Palmer wurde als „Remstalrebell“ oder „genialer Beleidiger“ bezeichnet. Er sah sich als Justizopfer und als Vorkämpfer gegen Untertanengeist, Umweltvergiftung, „Straßenmord und Planungsverbrechen“, für eine Bürgerdemokratie nach Schweizer Vorbild. Das kam bei vielen gut an: In Schwäbisch Hall wäre er 1974 mit 41 Prozent der Stimmen fast Oberbürgermeister geworden. Helmut Palmer provozierte bürokratische Widerstände und Gerichtsverfahren. Insgesamt wurde er zu Geldstrafen in Höhe von 1060 Tagessätzen und zu 741 Tagen Freiheitsstrafe verurteilt, die er teilweise auf dem Hohenasperg absaß.