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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Ausstellungsprojekte

Überlebensgeschichten A bis Z

Ausstellung vom 19. Februar 2017 bis zum 8. April 2018

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg blickt aus der Perspektive von Geflüchteten auf das Land: Aus dem "Baden-Württemberg-ABC" werden "Überlebensgeschichten von A bis Z". Bisher empfing das Museum seine Besucher mit 26 Vitrinen, die Objekte zu typisch baden-württembergischen Eigenschaften, Klischees und Besonderheiten enthielten. Nun sind 26 Stücke mit beeindruckenden Geschichten vom Fliehen und Ankommen vor dem Gebäude und im Foyer ausgestellt - von A wie Angst bis Z wie Zulassung.

Das Projekt stellt die Frage: Wie begegnet Baden-Württemberg Menschen, die vor kurzem in den Südwesten geflohen sind? Das Land bietet aus Sicht der Neuangekommenen Sicherheit und neue Lebensmöglichkeiten. Im zähen Kampf um Bleiberecht und Mitwirkungsmöglichkeiten begegnet der Südwesten Geflüchteten aber auch bisweilen abweisend oder gar feindselig.

A wie Angst: Ausschnitt aus einem Video einer dramatischen Mittelmeer-Überfahrt.
R wie Rettungsweg: Eine 16-Jährige aus Syrien sah nur eine offene Tür.

Die Vitrine "B" wie Barriere etwa erzählt von Siba Naddafs Isolation in der ersten Zeit im Land. Der Rollstuhl der jungen Frau ist auf der Flucht aus Syrien zerstört worden. In Karlsruhe beschaffte ihr ein ehrenamtlicher Unterstützer zwar Ersatz. Aber weil die Gemeinschaftsunterkunft nicht barrierefrei ist, konnte sie ihr Zimmer im ersten Stock nicht verlassen. Schmerzhafte Erinnerungen enthält die Vitrine "M" wie Marsch: ein Paar Schuhe, das eine junge Irakerin auf dem gesamten Weg nach Deutschland trug. Seit ihrer Ankunft in Baden-Württemberg trägt sie die Schuhe nicht mehr, die Teil der Schuluniform im Irak waren. Doch sie ist nicht bereit, die Schuhe wegzuwerfen. Denn die Erinnerung an die Flucht und die anfängliche Einsamkeit bleiben wichtig für sie.

B wie Barriere: Blick einer an den Rollstuhl Gefesselten aus der Unterkunft.
M wie Marsch: Diese Schuhe trug eine 14-Jährige Irakerin auf der gesamten Flucht.

Menschen auf der Flucht begegnen uns in aktuellen Berichten in großen anonymen Gruppen. Sie haben keine Namen und keine Stimme. Selten werden uns Geflüchtete als selbstständig Handelnde vorgestellt. "Überlebensgeschichten von A bis Z" will Geflüchteten Stimme und Raum für ihre Sichtweisen geben. In Workshops an verschiedenen Orten des Landes, in Unterkünften, Frauencafés, Sprachkursen, Schulen oder im Museum selbst haben Geflüchtete miteinander oder allein erarbeitet, welchen Teil ihrer Lebensgeschichte sie vorstellen wollen. Dabei stehen wie im Vorgänger-ABC Objekte im Mittelpunkt, die Geschichten erzählen. Es werden keine vollständigen Biographien ausgestellt, die Menschen auf ihren Fluchtstatus reduzieren. Die Vielstimmigkeit der Ausstellung und ihr Begleitprogramm sollen zu Gesprächen zwischen Neuangekommenen und Alteingesessenen einladen.

Ausstellungsleitung: Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger
Konzept: Dr. Caroline Gritschke, Natalia Kot, Sophie Reinlaßöder