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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Dauerausstellung

Chronologie

Territoriale Revolution

Am Anfang der chronologischen Ausstellung steht Napoleon. Ihm verdanken die Herrscher von Württemberg und Baden Machtzuwachs und Landgewinn - und die kleinen hohenzollerischen Fürstentümer ihr Fortbestehen. Über der Galerie der vier verbleibenden Monarchen auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg hängt das Gemälde "Der Rückzug des badischen Korps über die Beresina". Es zeigt den Preis der neuen Kronen: Die Verbündeten Napoleons mussten Soldaten für seine verlustreichen Feldzüge stellen.

Napoleons Büste steht vor den Porträts der von ihm profitierenden Herrscher.
Die Verfassungen liegen im Zentrum der Vormärz-Abteilung.

Vormärz 1815 bis 1848

Dem Bündniswechsel der südwestdeutschen Fürsten und dem Sieg über Napoleon folgen Jahre zwischen Aufbruch und Stagnation. Es entstehen neue Verfassungen, die den Bürgern Rechte garantieren. Aber die politische Mitwirkung bleibt nur einem Teil der Bevölkerung vorbehalten. Zum Beispiel Frauen, Arbeiter und Juden sind von der Wahl ausgeschlossen. Die Macht des Landesherren bleibt weitgehend unangetastet.

Fahnen und Flugblätter: 1848 kämpften Bürger vergeblich für die Republik.

Die Revolution und ihre Folgen 1848 bis 1866

Überall gehen im März 1848 die Bürger auf die Straße und fordern Pressefreiheit, Volksbewaffnung, Geschworenengerichte und eine nationales Parlament. Die Regierungen geben nach; Reformen verändern Baden und Württemberg. Eine Minderheit will mehr und kämpft für die Republik. Doch im Frühjahr 1849 wird die Revolution niedergeschlagen. Hinrichtungen, Gefängnis oder Flucht bestimmen nun das Schicksal der Aufständischen.

Alles läuft auf Bismarck zu - der Reichsgründer wird im Südwesten dennoch nicht so verehrt wie in anderen Teilen Deutschlands.

Einbindung in den Nationalstaat 1866 bis 1914

Den Weg Bismarcks zu einem deutschen Reich unter preußischer Führung verfolgt der Südwesten mit großen Vorbehalten. Das ändert sich erst allmählich nach dem gemeinsamen Krieg gegen Frankreich. Die nun nach außen geschlossen auftretende Nation weist jedoch im Innern enorme Verwerfungen auf: Wer - wie die sozialdemokratische Arbeiterbewegung - die obrigkeitsstaatliche Ordnung in Frage stellt, wird rasch als "Reichsfeind" ausgegrenzt. Das gilt auch im Südwesten, wo man sich allerdings Spielräume und kleine Freiheiten erhält.

Die Härte und Brutalität der beiden Weltkriege spiegeln sich in einer beklemmenden, metallischen Gestaltung wider.

Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Massenschlachten im Ersten und im Zweiten Weltkrieg, Massendemonstrationen in der Zwischenkriegszeit, Massenaufmärsche und Massenmorde im Nationalsozialismus. Hinter der anonymen Menge steht natürlich das einzelne Schicksal: der einsame Soldat im Schützengraben, die Zwangsarbeiterin in Calw, der in Grafeneck ermordete psychisch Kranke. Ihre Geschichten stehen für die monströsen Jahre zwischen 1914 und 1945.

Umstrittene Landesgründung: Wahlplakate pro und contra Baden-Württemberg umrahmen die Taschenuhr des ersten Ministerpräsidenten.

Aufbau des Südweststaates

Mit unterschiedlichen Erfahrungen und  Belastungen bauen die Menschen nach Kriegsende 1945 eine neue Existenz auf. Der demokratische Neubeginn unter amerikanischer und französischer Besatzung ist verbunden mit einer staatlichen Neuordnung. Vor der Gründung des Südweststaates 1952 wurde viel über die Vereinigung von Baden, Württemberg und Hohenzollern gestritten. Das neue Landtagsgebäude als politisches Zentrum, der Bau von Schulen und Universitäten, aber auch die Errichtung von Atomkraftwerken stehen für Neuaufbau und Fortschrittseuphorie der 1950er und 1960er Jahre.

Die politischen Auseinandersetzungen können in zeitgenössischen Medien verfolgt werden.

Demokratie im Medienzeitalter

Der Ölpreisschock Ende 1973 und die Energiekrise führt vielen Bürgern drastisch vor Augen: die globalen Ressourcen sind endlich. Im Südwesten haben sich Umweltverbände gegründet. In Wyhl am Kaiserstuhl gibt es Demonstrationen gegen ein geplantes Atomkraftwerk. Im Gegensatz zu gewaltlosen Bürgerinitiativen, die eine lebendige politische Kultur fördern, versuchen links- und rechtsextremistische Terroristen, den demokratischen Rechtsstaat zu zerstören.

Teile des Bauzauns, an dem der kreative Protest gegen Stuttgart 21 sichtbar wurde, sind im Museum der Gegenwart ausgestellt. (Fotos: Haus der Geschichte / D. Stauch)

Museum der Gegenwart

Prägende Ereignisse in Baden-Württembergs jüngster Geschichte: Die Pisa-Studie sorgt für Wirbel in der Bildungspolitik. Der Euro kommt. Im Stuttgarter Stadion tritt die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft zum umjubelten Spiel um den dritten Platz an. Der massenhafte Protest gegen das Großprojekt Stuttgart 21 findet seinen kreativen Niederschlag am Bauzaun, der den Abriss des Hauptbahnhof-Nordflügels sicherte. Mit dem Museum der Gegenwart kommt die chronologische Ausstellung im Hier und Jetzt an.