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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Sonderausstellung

Die 60er-Jahre

... denn die Zeiten ändern sich

Die 60er-Jahre in Baden-Württemberg

Sonderausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg
vom 22. Dezember 2017 bis zum 24. Juni 2018

 

WIE LAUT DARF MUSIK SEIN?

WIE KURZ DARF DER ROCK SEIN?

WIE LANG DARF MÄNNERHAAR SEIN?


Ein Jahrzehnt des Aufbruchs und des Wandels

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen 10 - 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Schüler und Kinder sind frei. Öffentliche Führungen werden an Sonn- und Feiertagen um 15.30 Uhr angeboten. Der reich bebilderte Katalog kann bestellt werden per E-Mail (museumsshop(at)hdgbw.de), Telefon (0711.212.40.15) oder Fax (0711.212.39.79).

Demonstration gegen den Vietnamkrieg in Stuttgart, 1967 (Fotos: Haus der Geschichte / Daniel Stauch, Ulrich Bernhardt, privat, Stadtarchiv Heidelberg/Alfred Dammer)

Die Ausstellung

Ob E-Gitarre, Protestplakat oder Minirock - was heute Alltag ist, waren in den 1960er Jahren Symbole eines neuen Lebensgefühls und dafür, dass Lebensentwürfe von Generationen mit Wucht aufeinander prallten.

"Denn die Zeiten ändern sich" zeigt, wie der Wandel - der Protest, die Provokationen und die Popkultur der jungen Generation - auch den deutschen Südwesten prägte. Und die Ausstellung macht deutlich, was blieb: Für eine vielfältiger werdende Gesellschaft, Bürgerinitiativen oder die Frauen-, Friedens-, Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung wurde der Boden in den 60er-Jahren bereitet.

Mit Beatkonzerten, Diskussionen, Kinderfilmen und einem Live-Hörspiel tief in die 60er eintauchen: Das Begleitprogramm zu "... Denn die Zeiten ändern sich" erweitert und vertieft die Themen der Ausstellung. Auch Kunst und Neue Musik spielen dabei eine große Rolle. Die Programmbroschüre gibt es auch zum Download.

Musik

Der Klang der Revolte

Mit Jazz und Rock'n'Roll grenzten sich schon in den 1950er Jahren Jugendliche von ihren Eltern ab. Von Liverpool aus erfasste in den 1960ern dann die Beatwelle Baden-Württemberg - bis tief in die Provinz hinein: Hunderte von Amateurbeatbands eiferten ihren Vorbildern nach und mussten sich mit Vorurteilen ihrer Eltern gegen elektrische Gitarren und Pilzköpfe auseinander setzen. Zum Ende des Jahrzehnts traten neue, noch rebellischere Musiker wie Jimi Hendrix in Erscheinung: die Zeit der großen Experimente in der Rockmusik.
Raritäten wie Aufnahmen vom Hendrix-Konzert in Stuttgart, Singles von Joy and the Hit Kids und Objekte der Caverns oder der Shatters zeugen von großen Stars und begeisterten Amateurbands.

Erinnerungen an Jimi Hendrix in Stuttgart
Die Antibabypille: „Anovlar 21“

Geschlechterverhältnisse

Das heiße Eisen Sex

Die Einführung der Antibabypille, die "Pornowelle" sowie Tabubrüche von Studenten und Schülern veränderten den Umgang mit dem heiklen Thema Sexualität nachhaltig. Auch in die Geschlechterverhältnisse kam Bewegung, allerdings eher langsam. Die Unterordnung der Frau blieb vorerst noch die Regel.
Die Ausstellung zeigt den Streit um "die Pille", umstrittene Artikel in Schülerzeitungen und die Anfänge der Frauen- und Homosexuellenbewegung.

Mode

Spiegel der Gesellschaft

Mini- und Maxiröcke, Schlaghosen, Lang- und Kurzhaarfrisuren, Plateauschuhe: Die Jugendmode der 1960er und frühen 70er Jahre war wie die Musik der Zeit eine eindeutige Abgrenzung gegenüber der Elterngeneration. Und die neuen Modelle fanden ebenso ihren Weg von den Metropolen wie London in die badische und schwäbische Provinz, wohin sie importiert wurden, in Oberbekleidungsgeschäften zu haben waren oder selbst geschneidert wurden. Ein beherzter Griff zur Schere - und aus den Jeans wurden Hot Pants, wie in der Ausstellung zu sehen ist.

Ein Defilee der 60er-Mode
Protestaktion mit Mao-Portrait von Ulrich Bernhardt am Stuttgarter Königsbau 1967

Protest

Sage nein!

Der Tod von Benno Ohnesorg, das Attentat auf Rudi Dutschke, die Notstandsgesetze, der Krieg in Vietnam: Diese Vorgänge trieben in Freiburg, Konstanz, Tübingen und vor allem in Heidelberg die Studenten auf die Straße. Die "Außerparlamentarische Opposition" (APO) protestierte mit Demonstrationen, Besetzungen und Sit-ins gegen die Meinungs- und Machtkonzentration, die die Springer-Presse und die Große Koalition für sie verkörperten. Davon zeugen zahlreiche Fotos, aber auch Publikationen und Kunstwerke.

Eskalation

Provokation und Gewalt

Es begann mit "begrenzten Regelverletzungen" auf den Straßen, in Hör- und Gerichtssälen. Weil sie bloße Demonstrationen gegen ehemalige NSDAP-Mitglieder in hohen Ämtern, gegen amerikanische Kriegsverbrechen in Vietnam, gegen Polizei und konservative Springer-Presse zunehmend als unzureichend ansahen, setzten linke Studentenvertreter und ihre Sympathisanten dann auf immer militantere Protestformen. Der Staat reagierte teils überhart.
Die Ausstellung berichtet von Blockaden, fliegenden Steinen, Schlagstockeinsätzen und Wasserwerfern.

Aufmarsch der Polizei zur Räumung der Neuen Universität in Heidelberg, 1969
So sah es im Club Manufaktur Schorndorf aus (Hintergrund).

Freiräume

Clubs und Konflikte

Ob im Jugendzimmer, im Jazzkeller oder soziokulturellen Club: In den 60ern wurden Freiräume geschaffen für eine eigene Jugendkultur, avantgardistische Kunst und abweichende politische Ansichten. In Baden-Württemberg entstand ein Netz "alternativer" Klubs wie der "Club Voltaire" in Stuttgart, das "Ubu" in Karlsruhe, der "Club Alpha 60" in Schwäbisch Hall oder die "Manufaktur" in Schorndorf.
Die Ausstellung stellt die Besonderheiten der Jugendzentren vor, ihre Kämpfe, Skandale, Probleme und Ideologien.

Ausstellungsleitung: Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger
Kuratoren: Dr. Sebastian Dörfler, Dr. Katja Nagel 
Ausstellungsgestaltung: jangled nerves Stuttgart

Medienecho